Lebensbereiche

ADHS hört nicht am Schreibtisch auf

Dieselbe Veranlagung wirkt sich überall aus – in Beziehungen, in der Freizeit, in der Ausbildung und im Beruf. Meist unterschiedlich, und selten nur negativ.

Beziehungen

Mit wem Sie zu tun haben

Eltern und eigene Kinder

ADHS wird häufig weitergegeben. Sie prägt deshalb nicht nur das eigene Leben, sondern oft auch das der Eltern und der Kinder. Den besonderen Herausforderungen einer ADHS-Familie begegnet man leichter, wenn man weiß, wie die Muster funktionieren.

Partnerschaft

Am Anfang steht oft eine Offenheit, die an Naivität grenzt. Langfristig ist Langeweile der häufigste Beziehungskiller. Was hilft, ist eine Verständigung, die die Besonderheiten beider Seiten ernst nimmt.

Freundschaften

Eher wenige enge Freunde als viele lose Kontakte. Leicht ist es trotzdem nicht: vieles wird wörtlich genommen, Verabredungen geraten in Vergessenheit, Entscheidungen fallen spontan.

Kolleginnen und Vorgesetzte

Engagement und Begeisterungsfähigkeit werden geschätzt. Aber mancher Führungsstil weckt die Erinnerung an frühere Erfahrungen – und aktiviert alte Muster. Soll man Kollegen von der ADHS erzählen? Eine Frage, die sich lohnt, in Ruhe zu durchdenken.

Freizeit

Erholung, die tatsächlich erholt

An erster Stelle steht der Spaß. Womit man ihn hat, ist verschieden – die einen treiben Sport, die anderen lesen, die nächsten treffen Menschen.

Langeweile dagegen ist schwer auszuhalten. Der Antrieb sinkt in einen unangenehmen Bereich, aus dem man sich nur mühsam wieder herausholt. Deshalb wird sie um jeden Preis vermieden.

Äußere Ruhe heißt außerdem nicht innere Ruhe. Stillstand erzeugt oft erst das Gedankenkarussell. So entsteht ein Getriebensein sogar im Urlaub – wofür das Umfeld selten Verständnis hat.

Und dann die Planung: Wann, wohin, mit wem, wie viel? Auch das sind Entscheidungen, und Entscheidungen sind Arbeit.

Ein Liegestuhl mit Sonnenschirm am Strand.

Schule, Ausbildung, Studium

Wenn der Raum anstrengender ist als der Stoff

Schule

Viele Geräusche, viele Menschen, wechselnde Bezugspersonen, Gerüche, Stimmungen. Die Überforderung hat oft nichts mit dem Unterrichtsstoff zu tun – sie kommt von der Reizoffenheit bei gleichzeitig schwachem Reizfilter. Die typischen Bewältigungsstrategien sind hochfunktional, auch wenn sie von außen wie Störung aussehen.

Ausbildung

Ein entscheidender Schritt in die Selbstständigkeit. Was in der Schulzeit funktioniert hat, lässt sich hier weiterentwickeln. Und die Frage stellt sich: Soll der Betrieb von der ADHS wissen?

Studium

Zeiteinteilung, Überblick über den Stoff, Klausurtermine, Hausarbeiten. Aufschieben und Blockaden kennen alle Studierenden – mit ADHS sind sie hartnäckiger. Es gibt Wege, das zu handhaben.

Beruf

ADHS im Arbeitsleben

Menschen mit ADHS finden sich in allen Branchen. Wichtiger als das Was ist meist das Warum: Viele brauchen einen erkennbaren Sinn in ihrer Arbeit. Sie übernehmen gern Verantwortung und finden sich häufig in zusätzlichen Funktionen wieder.

Neue Projekte begeistern – und lassen das Alltägliche in den Hintergrund treten. So werden Kapazitäten überschätzt, Fristen reißen, Absprachen rutschen nach hinten. Manche wählen deshalb bewusst Berufe mit klaren Regeln: Sie geben Halt, wo der eigene Spielraum zu groß wäre.

Bei der Berufswahl zeigt sich dasselbe Bild von zwei Seiten. Die einen wissen früh, wo ihre Stärken liegen. Andere brauchen lange. Abgebrochene Ausbildungen und häufige Wechsel sind in ADHS-Lebensläufen keine Seltenheit – und kein Urteil über die Person.